Kolumbienreise
Januar 2016

Bericht: Gerti Schloz (1. Vorstand)

Walter Grupp (2. Vorstand) und ich besuchten im Januar 2016 wieder einmal „unsere" Kinder in Kolumbien, die Reise wurde wie immer privat bezahlt. Meine Nervosität steigerte sich, je näher wir Kolumbien kamen, zum einen machte es mir Sorgen wie der kolumbianische Zoll meine Berge von Gummibärchen und anderen Geschenken einschätzen würde (sie sind sehr streng!) und zum anderen, wird uns Jennie (Vorstand Kolumbienbeauftragte) auch wirklich abholen? Die erste Hürde war genommen, aber wo war Jennie? Da entdeckten wir eine Menschenansammlung, die uns zuwinkte. Es waren die Kinder und Jennie, die uns auf dem Flughafen in Cartagena mit Blumen und strahlenden Augen empfingen. Sie hatten eine weite Reise mit dem Bus hinter sich um uns nun persönlich am Flughafen begrüßen zu können.

Die Wiedersehensfreude auf beiden Seiten war groß, die Kinder kannten uns noch von unserer letzten Kolumbien-Reise vor 5 Jahren. Wir wurden umarmt, geküsst und es flossen Tränen der Rührung auf beiden Seiten.

 
 
Flughafen3.jpg
 
 
Flughafen1.jpg
 
 

In den 3 Wochen Kolumbien hatten wir viel Gelegenheit Kinder zu Hause zu besuchen. Über 2 Besuche möchte ich berichten, obwohl jeder einzelne Besuch ein Bericht wert wäre. Es gibt einen kleinen Vorort von der Stadt Cartagena, er heißt Tierra Baja. In diesem Ort unterstützen wir 16 Kinder. Nach einstündiger Busfahrt erwarteten uns alle Kinder an der Haltestelle. Über staubige Straßen gelangten wir dann zu Fuß zum Haus von Maricelis Oma, in dem die Mütter gemeinsam ein Mittagessen vorbereiteten. Gekocht wird in einer Küche, wobei die Feuerstelle draußen auf dem Boden ist, das Wasser kommt aus einer Art Brunnen im Garten. 

 
 
Tierra B7.jpg
Tierra B9.jpg
 
 
Tierra B11.jpg
 
 

Nach dem gemeinsamen Essen zeigten uns die Kinder voller Stolz ihren Ort, ihre Schule, den Sportplatz und den Spielplatz. Bei einem Eis erzählten uns die Kinder wie gerne sie zur Schule gingen. Einer der Älteren Jungs sagte, dass seine Familie so arm ist, dass sie jeden Tag zu Gott gebetet haben, dass er einen Engel schicken möge: „Uns stand das Wasser bis zum Hals, dann kamen die Deutschen und schickten uns Kinder in die Schule. Das war vor 9 Jahren. Seither haben wir Kinder nur ein Ziel vor Augen: Lernen und einen guten Beruf ausüben, um aus der Armut zu entfliehen“.  Sein Bruder Alonso dankte uns unter Tränen. Seine Schwester Maricelis ist die Beste in der Schule und künstlerisch sehr begabt.

 
 
Tierra B24.jpg
 
 

Ein anderes Mädchen erzählte, wie gerne sie tanzt und dass sie mit 2 Mädchen einen Tanz für uns vorbereitet hätte. Plötzlich ertönte Musik und die 3 Mädchen tanzten für uns und im Nu tanzten alle: Kinder, Mamas, Oma – sogar der Vorstand. Das brachte weitere Schweißperlen hervor, es war an diesem Tag um die 35 Grad heiß. Wir hatten auch Gelegenheit, mit den Müttern der Mädchen zu sprechen und jede von ihnen dankte uns von Herzen für unsere Hilfe. 

 
 

Der 2. Besuch von dem ich gerne erzählen möchte, war der bei Andres Felipe. Seine Mama holte uns an der Bushaltestelle ab, Andres Felipe konnte nicht kommen weil er sich beim Fußballspiel den Fuß verletzt hatte und an Krücken lief. Sie leben in einer kleinen Wohnung mit einer Tante zusammen und teilen sich die Miete. Die Mama arbeitet im Krankenhaus als Hilfsschwester. Sie erzählte, dass Andres Felipe als Baby vor ihre Haustüre gelegt wurde und seither ist die Sonne bei ihr eingezogen. Später hat sie ihn adoptiert und ohne Papa großgezogen. Er ist heute 13 Jahre alt. Sein Vetter Edgar Alexander wurde ebenfalls von uns unterstützt und hat 2012 die Schule mit Abitur abgeschlossen und studiert heute bei der Marine. Andres Felipe geht auf ein Gymnasium und eifert seinem erfolgreichen Cousin nach.

 
 
Andres Felipe.jpg
 
 

Wir bezahlen für Andres Felipe Schulgebühren in Höhe von ca. 700 Euro pro Jahr. Seit Jahren schreibt er an unseren Förderverein sehr emotionale Dankesbriefe. Ohne unsere Hilfe könnte dieser kluge und liebenswerte Junge keine gute Schule besuchen. Seine Mama und Andres Felipe sind unendlich dankbar für die Hilfe und sagten uns, dass kein Tag vergeht, an dem sie Gott nicht dafür danken. Der Verdienst seiner Mama reicht gerade mal für Essen und die Miete, aber nicht für eine gute Schule für den geliebten Sohn. 

 
 
Vorstand mit Studenten.jpg
 
 

Alle Kindern und alle Eltern von unserem Projekt sind sehr, sehr dankbar. Der größte Wunsch der Eltern ist es, dass ihre Kinder eine Schulbildung haben und durch diese der Armut entkommen können. Es soll ihnen einmal besser gehen als den Eltern. Wir sind sehr zufrieden mit den Leistungen und der Disziplin und überglücklich, diesen wunderbaren jungen Menschen eine gute Schulbildung zu ermöglichen. 

Der Garten einer Nachbarin wurde von den Müttern für diese Versammlung perfekt hergerichtet. Aus Respekt kamen die Kinder fein herausgeputzt in der Schuluniform, und das trotz Ferien und 35 Grad Hitze. Aufmerksam lauschten Kinder und Eltern, was die „Deutschen“ zu sagen haben. Es waren motivierende und auch mahnende Worte. Kinder sind eben Kinder, egal in welchem Land sie leben. Sie brauchen Regeln und Orientierung. Lob hörten sie besonders gerne.

 

 
Gruppenbild Mützen1.jpg
 
 

Als einer der Höhepunkte wurden an alle Kinder Germany-Baseballmützen verteilt, gesponsert von Concept Network GmbH, Internetshops, Lagerverkauf, IT-Service aus Göppingen. „Bayern München“ gab uns Shirts, Schals, Tassen und Mützen mit, die durch Verlosung verteilt wurden. 

60 Duschmittel von der Drogerie „dm“ Esslingen, Bonbons und Mengen von Kosmetikproben vom Reformhaus Walther aus Plochingen fanden großen Anklang bei unseren Kindern und erfreuten sie sehr. Herzlichen Dank an alle Sponsoren.  

Seit 2006 unterstützt der Förderverein „Bildung gegen Armut in Kolumbien eV.“ arme Kinder in ihrer Schulausbildung. Wir haben bis heute 8 Schulabgänger mit Abitur, die studieren,  andere Kinder erlernen einen technischen Berufoder einen guten Handwerksberuf.  

Das ist ein enormer Erfolg, auf den Sie, liebe Mitglieder und Spender, und der gesamte Vorstand des Fördervereins stolz sein können.

Wir versuchen immer zwischen 35 und 40 Kinder in unserem Projekt zu fördern. Nur so können wir sicher sein, dass wir jede Familie und alle Kinder persönlich kennen und deren schulischen Werdegang verfolgen können. 

 
 
Tierra B28 Schneiderin.jpg
 
 

Wir wünschten, Sie könnten die Dankbarkeit der Kinder vor Ort erleben. Voller Freude kehrten wir wieder nach Deutschland zurück mit der Gewissheit: Sie und wir, liebe Freunde, tun wirklich viel Gutes. Bleiben Sie dabei oder kommen Sie zu uns, um unser Bildungsprojekt zu unterstützen. Mit unserer ehrenamtlichen Tätigkeit stehen wir dafür, dass wirklich jeder Cent kontrolliert an unsere Projektkinder geht. Das gibt uns ein sehr gutes Gefühl!

Bildung gegen Armut in Kolumbien – der Name sagt alles. Helfen Sie, seien Sie dabei. 

Ihre Gerti Schloz, 1. Vorsitzende